Sehr gerne erinnere ich mich an mein Germanistikstudium Anfang der 1990er Jahre in Tours (Frankreich) zurück. Insbesondere hat sich mir ein Erlebnis eingeprägt, dem ich meine lebenslange Beschäftigung mit sogenannten „falschen Freunden“ verdanke. Ich befand mich damals im dritten Studienjahr und das Unterrichtsfach hieß „Wortschatz und Gesellschaft“. Unser Professor, ein grauhaariger Franzose im besten Alter, sprach in exzellentem Deutsch vor einer Gruppe zumeist junger Französinnen.

Dieser ausgezeichnete Germanist ließ uns fotokopierte Artikel aus der deutschen Presse unter die Lupe nehmen (noch war das Internet kein Bestandteil unseres Alltags) und bat uns, nach Lehnwörtern Ausschau zu halten, sie zu erklären und eine Rückübersetzung der jeweiligen Sätze zu erstellen. So erfuhren wir, dass das Wort „Flair“ sich ins Französische am besten mit „charme“ übersetzen lässt, während das französische „flair“ je nach Zusammenhang eher mit „Spürsinn“ oder gar „Riecher“ wiedergegeben wird.

Eines Tages kam es beinahe zum Eklat: Ohne sich der Tragweite seiner Wortwahl bewusst gewesen zu sein, sagte unser Dozent beiläufig: „Salopp ausgedrückt, …“. Da schossen wir alle gleichzeitig in die Höhe und schauten ihn entgeistert an. Wie, bitte? Er hat uns gerade doch nicht etwa „Schl…“ genannt, oder?!?

Zum Glück machte es bei unserem Professor gleich „Klick“. Er unterbrach seine Ausführung, lächelte gewinnend und schickte sich an, uns sehr pädagogisch über das Missverständnis aufzuklären. Nein, er hatte uns natürlich nicht beleidigen wollen, im Deutschen sei das Wort „salopp“ regelrecht harmlos im Gegensatz zu seinem französischen Ursprung, der, man höre und staune, „Schlampe“ bedeutet. Spannend, nicht wahr? Und das ist nur ein Beispiel unter vielen.

Zum Schluss noch ein guter Rat: Hüten Sie sich bei Fremdsprachen generell vor Lehnwörtern! Diese weisen oft Sinnverschiebungen auf, die ganz schön verwirren können. Da kann man in Null Komma nichts ins Fettnäpfchen treten und ein großes Malheur verursachen!